Die Notfallmappe: alle wichtigen Unterlagen an einem Ort
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Eine Notfallmappe ist ein Ordner, in dem alle wichtigen Informationen über eine pflegebedürftige Person zusammen liegen: Medikamente, Diagnosen, Kontakte, Vollmachten. Im Notfall müssen Rettungsdienst, Klinik oder Vertretung nicht suchen, sondern finden alles in zwei Minuten. Sie ist die einfachste und billigste Vorsorge, die es gibt – und sie schützt vor allem pflegende Angehörige, wenn plötzlich jemand anderes einspringen muss.
Details
In Berlin werden 87 % der pflegebedürftigen Menschen zu Hause versorgt, 54 % ausschließlich von Angehörigen (Landespflegeplan Berlin 2025, S. 33 und 52). Das heißt: In sehr vielen Haushalten weiß genau eine Person, welche Tabletten wann genommen werden, wo der Betreuungsausweis liegt und welcher Arzt zuständig ist. Fällt diese Person aus – Unfall, Grippe, eigener Krankenhausaufenthalt –, steht die Versorgung still.
Die Notfallmappe löst genau dieses Problem. Der Landespflegeplan empfiehlt Notfall- und Krisenvorsorge für Pflegehaushalte ausdrücklich und wünscht die Kombination aus analogen und digitalen Informationsangeboten (S. 187–189). Analog heißt hier: ein echter Papierordner. Rettungskräfte lesen keine Handy-Apps.
Was gehört hinein?
1. Notfallblatt (immer ganz vorne, eine Seite)
- Name, Geburtsdatum, Adresse, Krankenkasse und Versichertennummer
- Pflegegrad und Pflegekasse
- Diagnosen in Stichworten, Allergien, Unverträglichkeiten
- Aktueller Medikationsplan mit Dosierung (Datum nicht vergessen!)
- Implantate, Herzschrittmacher, Blutverdünner – lebenswichtig für den Rettungsdienst
- Hinweis auf Demenz, Schwerhörigkeit, Sehbehinderung, Sprache
- Wer ist zu benachrichtigen? Zwei Nummern, Tag und Nacht erreichbar
2. Rechtliche Dokumente (Kopien, Originale getrennt aufbewahren)
- Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung, Patientenverfügung
- Berliner Notfallverfügung, falls vorhanden (mehr dazu in der Rubrik Vorsorge & letzte Lebensphase)
- Betreuerausweis oder Bestellungsurkunde
- Schwerbehindertenausweis, Befreiungsbescheide
3. Versorgung und Kontakte
- Hausarztpraxis, Fachärzte, Apotheke, Pflegedienst, Sanitätshaus – mit Telefonnummern
- Hausnotruf-Anbieter und Kundennummer
- Wer hat einen Wohnungsschlüssel? Wo liegt der Zweitschlüssel?
- Haustier, Pflanzen, regelmäßige Termine – wer übernimmt?
4. Organisatorisches
- Bescheide der Pflegekasse, letzter Begutachtungsbericht des Medizinischen Dienstes
- Kontoverbindung, Daueraufträge, wichtige Verträge
- Kurzbeschreibung des Tagesablaufs: Aufstehen, Essen, Toilettengänge, Rituale. Für eine Vertretung ist das Gold wert – gerade bei Demenz.
Wo wird die Mappe aufbewahrt?
An einem Ort, den ein fremder Mensch in 30 Sekunden findet. Bewährt hat sich: gut sichtbar im Flur oder an der Wohnungstür, alternativ am Kühlschrank mit einem Aufkleber „Notfallmappe“. Legen Sie zusätzlich eine Kurzfassung – das einseitige Notfallblatt – in die Handtasche oder Brieftasche. Zwei bis drei Personen im Umfeld sollten wissen, dass es die Mappe gibt und wo sie liegt.
Bitte beachten: Die Mappe enthält sehr sensible Gesundheitsdaten. Kontodaten und PINs gehören nicht hinein, Kopien von Vollmachten dagegen schon.
Was tun?
- Ordner besorgen und die vier Abschnitte oben als Register anlegen. Ein einfacher Schnellhefter reicht.
- Notfallblatt ausfüllen – zuerst dieses eine Blatt, alles Weitere kann warten.
- Aktuellen Medikationsplan in der Hausarztpraxis oder Apotheke ausdrucken lassen und mit Datum einheften.
- Kopien der Vollmachten ergänzen. Fehlen Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung, setzen Sie das als nächste Aufgabe auf die Liste.
- Vertretung benennen: Sprechen Sie mit mindestens einer Person, die im Notfall übernimmt, und zeigen Sie ihr die Mappe.
- Ersatzpflege vorbereiten: Klären Sie vorab, welcher Pflegedienst oder welche Kurzzeitpflege einspringen könnte. Dafür steht der gemeinsame Jahresbetrag für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege von 3.539 € zur Verfügung (Stand 2026, seit 1.7.2025 gemeinsam nutzbar).
- Zweimal im Jahr aktualisieren – ein fester Termin, zum Beispiel zur Zeitumstellung. Veraltete Medikamentenlisten sind gefährlicher als gar keine.
Wo gibt es Hilfe?
- Pflegestützpunkte haben Vordrucke für Notfallmappen und füllen sie im Gespräch mit Ihnen aus – kostenlos und unabhängig. Pflegestützpunkt in Ihrer Nähe finden.
- Beratung zu Vollmacht und Patientenverfügung bieten Betreuungsvereine und Beratungsstellen an; Sie finden sie unter Adressen im Angebotstyp „Beratungsstelle / Pflegestützpunkt“.
- Pflegekurse für Angehörige (§ 45 SGB XI) behandeln die Notfallvorsorge praktisch und sind für Angehörige kostenlos: Termine ansehen.
- Im akuten Notfall: Rettungsdienst 112, ärztlicher Bereitschaftsdienst 116 117.
Stand der Angaben: 30.07.2026. Leistungsbeträge der Pflegeversicherung unverändert seit 1.1.2025 bzw. 1.7.2025. Quelle für Bedarf und Empfehlung: Landespflegeplan Berlin 2025, S. 33, 52, 187–189.
- Stand: 30.07.2026
Nehmen Sie sich eine Stunde und legen Sie heute die erste Version an – unvollständig ist besser als gar nicht. Vordrucke und Hilfe beim Ausfüllen gibt es kostenlos im Pflegestützpunkt: Beratungsstelle in Ihrer Nähe finden.