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Wissen

Die Notfallmappe: alle wichtigen Unterlagen an einem Ort

  • Lesedauer: 6 Min.

Eine Notfallmappe ist ein Ordner, in dem alle wichtigen Informationen über eine pflegebedürftige Person zusammen liegen: Medikamente, Diagnosen, Kontakte, Vollmachten. Im Notfall müssen Rettungsdienst, Klinik oder Vertretung nicht suchen, sondern finden alles in zwei Minuten. Sie ist die einfachste und billigste Vorsorge, die es gibt – und sie schützt vor allem pflegende Angehörige, wenn plötzlich jemand anderes einspringen muss.

Details

In Berlin werden 87 % der pflegebedürftigen Menschen zu Hause versorgt, 54 % ausschließlich von Angehörigen (Landespflegeplan Berlin 2025, S. 33 und 52). Das heißt: In sehr vielen Haushalten weiß genau eine Person, welche Tabletten wann genommen werden, wo der Betreuungsausweis liegt und welcher Arzt zuständig ist. Fällt diese Person aus – Unfall, Grippe, eigener Krankenhausaufenthalt –, steht die Versorgung still.

Die Notfallmappe löst genau dieses Problem. Der Landespflegeplan empfiehlt Notfall- und Krisenvorsorge für Pflegehaushalte ausdrücklich und wünscht die Kombination aus analogen und digitalen Informationsangeboten (S. 187–189). Analog heißt hier: ein echter Papierordner. Rettungskräfte lesen keine Handy-Apps.

Was gehört hinein?

1. Notfallblatt (immer ganz vorne, eine Seite)

  • Name, Geburtsdatum, Adresse, Krankenkasse und Versichertennummer
  • Pflegegrad und Pflegekasse
  • Diagnosen in Stichworten, Allergien, Unverträglichkeiten
  • Aktueller Medikationsplan mit Dosierung (Datum nicht vergessen!)
  • Implantate, Herzschrittmacher, Blutverdünner – lebenswichtig für den Rettungsdienst
  • Hinweis auf Demenz, Schwerhörigkeit, Sehbehinderung, Sprache
  • Wer ist zu benachrichtigen? Zwei Nummern, Tag und Nacht erreichbar

2. Rechtliche Dokumente (Kopien, Originale getrennt aufbewahren)

  • Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung, Patientenverfügung
  • Berliner Notfallverfügung, falls vorhanden (mehr dazu in der Rubrik Vorsorge & letzte Lebensphase)
  • Betreuerausweis oder Bestellungsurkunde
  • Schwerbehindertenausweis, Befreiungsbescheide

3. Versorgung und Kontakte

  • Hausarztpraxis, Fachärzte, Apotheke, Pflegedienst, Sanitätshaus – mit Telefonnummern
  • Hausnotruf-Anbieter und Kundennummer
  • Wer hat einen Wohnungsschlüssel? Wo liegt der Zweitschlüssel?
  • Haustier, Pflanzen, regelmäßige Termine – wer übernimmt?

4. Organisatorisches

  • Bescheide der Pflegekasse, letzter Begutachtungsbericht des Medizinischen Dienstes
  • Kontoverbindung, Daueraufträge, wichtige Verträge
  • Kurzbeschreibung des Tagesablaufs: Aufstehen, Essen, Toilettengänge, Rituale. Für eine Vertretung ist das Gold wert – gerade bei Demenz.

Wo wird die Mappe aufbewahrt?

An einem Ort, den ein fremder Mensch in 30 Sekunden findet. Bewährt hat sich: gut sichtbar im Flur oder an der Wohnungstür, alternativ am Kühlschrank mit einem Aufkleber „Notfallmappe“. Legen Sie zusätzlich eine Kurzfassung – das einseitige Notfallblatt – in die Handtasche oder Brieftasche. Zwei bis drei Personen im Umfeld sollten wissen, dass es die Mappe gibt und wo sie liegt.

Bitte beachten: Die Mappe enthält sehr sensible Gesundheitsdaten. Kontodaten und PINs gehören nicht hinein, Kopien von Vollmachten dagegen schon.

Was tun?

  1. Ordner besorgen und die vier Abschnitte oben als Register anlegen. Ein einfacher Schnellhefter reicht.
  2. Notfallblatt ausfüllen – zuerst dieses eine Blatt, alles Weitere kann warten.
  3. Aktuellen Medikationsplan in der Hausarztpraxis oder Apotheke ausdrucken lassen und mit Datum einheften.
  4. Kopien der Vollmachten ergänzen. Fehlen Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung, setzen Sie das als nächste Aufgabe auf die Liste.
  5. Vertretung benennen: Sprechen Sie mit mindestens einer Person, die im Notfall übernimmt, und zeigen Sie ihr die Mappe.
  6. Ersatzpflege vorbereiten: Klären Sie vorab, welcher Pflegedienst oder welche Kurzzeitpflege einspringen könnte. Dafür steht der gemeinsame Jahresbetrag für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege von 3.539 € zur Verfügung (Stand 2026, seit 1.7.2025 gemeinsam nutzbar).
  7. Zweimal im Jahr aktualisieren – ein fester Termin, zum Beispiel zur Zeitumstellung. Veraltete Medikamentenlisten sind gefährlicher als gar keine.

Wo gibt es Hilfe?

  • Pflegestützpunkte haben Vordrucke für Notfallmappen und füllen sie im Gespräch mit Ihnen aus – kostenlos und unabhängig. Pflegestützpunkt in Ihrer Nähe finden.
  • Beratung zu Vollmacht und Patientenverfügung bieten Betreuungsvereine und Beratungsstellen an; Sie finden sie unter Adressen im Angebotstyp „Beratungsstelle / Pflegestützpunkt“.
  • Pflegekurse für Angehörige (§ 45 SGB XI) behandeln die Notfallvorsorge praktisch und sind für Angehörige kostenlos: Termine ansehen.
  • Im akuten Notfall: Rettungsdienst 112, ärztlicher Bereitschaftsdienst 116 117.

Stand der Angaben: 30.07.2026. Leistungsbeträge der Pflegeversicherung unverändert seit 1.1.2025 bzw. 1.7.2025. Quelle für Bedarf und Empfehlung: Landespflegeplan Berlin 2025, S. 33, 52, 187–189.

  • Stand: 30.07.2026
  • Nehmen Sie sich eine Stunde und legen Sie heute die erste Version an – unvollständig ist besser als gar nicht. Vordrucke und Hilfe beim Ausfüllen gibt es kostenlos im Pflegestützpunkt: Beratungsstelle in Ihrer Nähe finden.