Krisenvorsorge zu Hause: Hitze und Stromausfall im Pflegehaushalt
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Hitzewellen und längere Stromausfälle treffen Pflegehaushalte besonders hart – ältere Menschen spüren Durst und Überhitzung oft nicht rechtzeitig, und viele Hilfsmittel brauchen Strom. Mit wenigen Vorbereitungen können Sie beides gut überstehen: einem Hitzeplan, einem kleinen Vorrat und einer Liste, wer im Notfall kommt. Dieser Artikel zeigt Schritt für Schritt, was in Berlin und Brandenburg konkret zu tun ist.
Details
Der Landespflegeplan Berlin 2025 empfiehlt Pflegehaushalten ausdrücklich eine eigene Krisenvorsorge und nennt Hitze, Stromausfall und Pandemie als die drei wahrscheinlichsten Lagen (S. 187–189). Beides ist in der Region keine Theorie: Berlin hat im November 2025 einen Hitzeaktionsplan mit 72 Maßnahmen beschlossen, der pflegebedürftige und hochaltrige Menschen als besonders gefährdete Gruppe in den Mittelpunkt stellt. Und nach Brandanschlägen auf die Stromversorgung waren im September 2025 im Südosten Berlins rund 50.000 Haushalte bis zu 60 Stunden ohne Strom – der längste Ausfall der Berliner Nachkriegsgeschichte; im Januar 2026 traf es im Südwesten erneut rund 45.000 Haushalte über mehrere Tage.
Hitze: die unterschätzte Gefahr
Im Alter arbeitet die Temperaturregulierung schlechter, das Durstgefühl lässt nach, und viele Medikamente – Entwässerungsmittel, Blutdrucksenker, bestimmte Psychopharmaka – verstärken das Risiko. Warnzeichen sind Verwirrtheit, Kopfschmerzen, sehr dunkler Urin, trockene Zunge, Schwindel und ein plötzlich veränderter Allgemeinzustand. Bei Bewusstseinstrübung, Krämpfen oder heißer, trockener Haut: sofort 112 rufen.
Was hilft:
- Nachts und früh morgens lüften, tagsüber Fenster und Vorhänge geschlossen halten. Außenliegender Sonnenschutz wirkt deutlich besser als innen liegender.
- Trinkplan mit festen Zeiten und sichtbar aufgestellten Gläsern; Trinkmenge notieren. Bei Herz- oder Nierenerkrankungen die Menge vorher mit der Hausarztpraxis abstimmen.
- Kühlung am Körper: feuchte Waschlappen auf Unterarme und Nacken, kühle Fußbäder, leichte Baumwollkleidung.
- Medikamente prüfen lassen: Bitten Sie die Hausarztpraxis vor dem Sommer um einen Hitze-Check der Medikation. Zäpfchen, Insulin und manche Tropfen müssen kühl gelagert werden.
- Tägliche Kontrolle: An heißen Tagen sollte jemand mindestens einmal täglich persönlich oder telefonisch nachsehen. Vereinbaren Sie das vorher fest – mit Nachbarn, Pflegedienst oder Familie.
- Kühle Orte kennen: Mehrere Bezirke betreiben in den Sommermonaten Hitzetelefone und kühle Anlaufstellen; Marzahn-Hellersdorf und Neukölln haben solche Angebote seit 2024 bzw. 2025 aufgebaut. Fragen Sie im Pflegestützpunkt oder bei der Bezirksverwaltung nach den aktuellen Angeboten.
Stromausfall: was im Pflegehaushalt zuerst ausfällt
Ohne Strom stehen nicht nur Licht und Kühlschrank still. Betroffen sind vor allem:
- Medizingeräte: Sauerstoffkonzentrator, Beatmungs- und Absauggerät, Ernährungspumpe, Wechseldruckmatratze, elektrisches Pflegebett, Patientenlifter
- Hausnotruf: Basisstationen und Router fallen aus; ohne Akku funktioniert der Notruf nicht
- Telefon und Handynetz: Festnetz über Router ist sofort tot, Mobilfunkmasten laufen nur begrenzt auf Notstrom
- Aufzug: Wer im vierten Stock wohnt, sitzt fest – das betrifft auch den Pflegedienst
- Heizung und Warmwasser: auch Gasthermen brauchen Strom für Steuerung und Pumpe
- Kühlkette: Insulin und andere kühlpflichtige Medikamente
Wer lebenserhaltende Geräte nutzt, sollte den Notstrom-Fall vorher klären: mit dem Geräteanbieter (Akkulaufzeit, Ersatzakku, Notversorgung), mit dem Pflegedienst und – bei Beatmung oder Sauerstoff – mit der Klinik. Lassen Sie sich die Rufnummer des 24-Stunden-Bereitschaftsdienstes Ihres Hilfsmittelanbieters geben und heften Sie sie in die Notfallmappe.
Der kleine Vorrat: mehr braucht es nicht
- Trinkwasser für mehrere Tage – als Orientierung gelten rund 2 Liter zum Trinken pro Person und Tag, zusätzlich Wasser zum Kochen und für die Körperpflege
- Haltbare Lebensmittel, die ohne Kochen essbar sind; bei Schluckstörungen entsprechend angepasste Kost
- Medikamente für mindestens sieben, besser zehn Tage im Haus behalten – Rezepte rechtzeitig nachbestellen
- Inkontinenzmaterial, Handschuhe, Desinfektionsmittel als Reserve. Bis zu 42 € im Monat für Pflegehilfsmittel zum Verbrauch übernimmt die Pflegekasse ab Pflegegrad 1 (Stand 2026)
- Taschenlampen mit Ersatzbatterien (keine Kerzen im Bett- oder Sauerstoffbereich!), Powerbank, batteriebetriebenes Radio für die Notfallinformationen der Behörden
- Warme Decken, im Winter zusätzlich Wärmflaschen und Schlafsack
- Bargeld in kleinen Scheinen – Karten funktionieren ohne Strom nicht
- Warnapps NINA oder KATWARN auf dem Handy von Angehörigen installieren
Was tun?
- Risiko-Check machen: Welche Geräte im Haushalt brauchen Strom, um Leben oder Versorgung zu sichern? Schreiben Sie sie auf und notieren Sie zu jedem die Akkulaufzeit.
- Notfallnummern sichtbar aufhängen: 112 (Rettungsdienst), 116 117 (ärztlicher Bereitschaftsdienst), Pflegedienst, Hausarztpraxis, Hilfsmittelanbieter, zwei Angehörige, Störungsdienst des Netzbetreibers.
- Nachbarschaft aktivieren: Tauschen Sie Telefonnummern mit zwei Nachbarn und vereinbaren Sie, wer bei Hitze oder Stromausfall an der Tür klingelt. Das ist die wirksamste Maßnahme überhaupt.
- Hitzeplan für den Sommer aufstellen: Trinkplan, Lüftungszeiten, kühlster Raum der Wohnung, tägliche Kontrolle – und die Medikation vorher ärztlich prüfen lassen.
- Vorrat anlegen nach der Liste oben und einmal jährlich austauschen.
- Ersatzversorgung vorbereiten: Wenn Sie als Angehörige ausfallen, springt Verhinderungspflege oder Kurzzeitpflege ein – 3.539 € gemeinsamer Jahresbetrag stehen ab Pflegegrad 2 zur Verfügung (Stand 2026, seit 1.7.2025 flexibel gemeinsam nutzbar). Klären Sie jetzt, welcher Dienst oder welche Einrichtung das übernehmen würde.
- Alles in die Notfallmappe legen und zweimal im Jahr aktualisieren.
Wo gibt es Hilfe?
- Pflegestützpunkte beraten kostenlos zur Notfall- und Krisenvorsorge im Pflegehaushalt und kennen die Angebote im Bezirk. Beratungsstelle in Ihrer Nähe finden.
- Ambulante Pflegedienste, Alltagshilfen und Hausnotruf-Anbieter finden Sie nach Bezirk und Landkreis gefiltert unter Adressen.
- Pflegekurse und Schulungen zur Krisenvorsorge in der häuslichen Pflege – Berlin baut dieses Angebot im Rahmen des Hitzeaktionsplans aus. Aktuelle Termine: Veranstaltungen ansehen.
- Im Notfall: 112 bei akuter Gefahr, 116 117 außerhalb der Sprechzeiten. Bei großflächigen Lagen informieren Behörden über Radio, die Warn-Apps NINA und KATWARN sowie über Notfall-Anlaufstellen im Bezirk.
Stand der Angaben: 30.07.2026. Quellen: Landespflegeplan Berlin 2025 (S. 187–189); Hitzeaktionsplan des Landes Berlin (beschlossen November 2025); Berichterstattung zu den Stromausfällen in Berlin 2025/2026; Leistungsbeträge nach SGB XI, unverändert seit 1.1.2025 bzw. 1.7.2025.
- Stand: 30.07.2026
Legen Sie noch heute den Zettel mit Ihren Notfallnummern an den Kühlschrank und prüfen Sie, ob Sie eine Taschenlampe und ein batteriebetriebenes Radio im Haus haben. Persönliche Beratung zur Notfallvorsorge bekommen Sie kostenlos hier: Pflegestützpunkt in Ihrer Nähe finden.