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Wissen

Beratung für Berufstätige: KOBRA und weitere Anlaufstellen

  • Lesedauer: 5 Min.

Wer pflegt und gleichzeitig arbeitet, braucht meist zwei Antworten: eine arbeitsrechtliche und eine pflegerische. In Berlin gibt es dafür eine eigene Fachstelle: KOBRA berät Beschäftigte kostenlos zu Pflegezeit, Familienpflegezeit und individuellen Lösungen mit dem Arbeitgeber. Die Pflegestützpunkte in Berlin und Brandenburg klären parallel, wie die Versorgung zu Hause organisiert und finanziert wird.

Details

Der Landespflegeplan Berlin 2025 beschreibt das Problem deutlich: 76 Prozent der pflegenden Angehörigen im erwerbsfähigen Alter sind berufstätig, und viele erfahren erst spät, welche Rechte sie haben. Gleichzeitig ist die Angebotslandschaft so breit, dass sich Laien allein nicht zurechtfinden – der Plan spricht vom „Zuständigkeits- und Angebotsdschungel“. Beratung ist deshalb kein Luxus, sondern der schnellste Weg zu einer tragfähigen Lösung.

KOBRA: die Berliner Fachstelle für Beruf, Familie und Pflege

KOBRA ist eine Berliner Beratungseinrichtung in Trägerschaft des Berliner Frauenbund 1945 e. V., gegründet 1988. Die angegliederte Fachstelle Vereinbarkeit Beruf, Familie und Pflege wird von der Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung gefördert und berät seit 2012 zu Pflegezeit und Familienpflegezeit (zuvor bereits seit 2007 zu Elternzeit und Elterngeld).

  • Kostenlos und unabhängig – für alle Beschäftigten, unabhängig vom Geschlecht und von der Krankenkasse.
  • Themen: gesetzliche Freistellungsmöglichkeiten, Pflegeunterstützungsgeld, zinsloses Darlehen, Arbeitszeitmodelle, Homeoffice, Gesprächsführung mit Vorgesetzten, Wiedereinstieg nach der Pflege, finanzielle Folgen für die eigene Rente.
  • Auch für Betriebe: Personalverantwortliche, Führungskräfte und Multiplikatorinnen werden beraten, wie sie Vereinbarkeit im Unternehmen verankern – von der Betriebsvereinbarung bis zur innerbetrieblichen Ansprechperson.
  • Kontakt: telefonische Kurzberatung dienstags 14:00–15:30 Uhr und donnerstags 10:00–12:00 Uhr unter 030 695923-16. Einzeltermine lassen sich über das Portal pflegezeit-berlin.de online buchen. (Angaben Stand Juli 2026 – bitte vor dem Anruf kurz auf der Website prüfen.)

Und in Brandenburg?

Eine vergleichbare Landesfachstelle gibt es in Brandenburg nicht. Berufstätige wenden sich dort an ihren Pflegestützpunkt (19 Standorte mit Außenstellen), an das bundesweite Pflegetelefon des Bundesfamilienministeriums (030 20179131) oder an die Pflegeberatung ihrer Pflegekasse nach § 7a SGB XI. Wer in Brandenburg wohnt und in Berlin arbeitet – oder umgekehrt –, darf sich an beide Seiten wenden: Die Freistellungsrechte sind Bundesrecht und gelten unabhängig vom Wohnort.

Weitere Anlaufstellen, die oft übersehen werden

  • Pflegeberatung der Pflegekasse (§ 7a SGB XI): Anspruch auf einen individuellen Versorgungsplan – auch telefonisch und auch abends.
  • Betriebs- oder Personalrat, Schwerbehindertenvertretung, betriebliche Sozialberatung: kennen die internen Spielräume, die oft großzügiger sind als das Gesetz.
  • Kompetenzzentrum Pflegeunterstützung Berlin: Informationen zu Entlastungsangeboten und zur anerkannten Nachbarschaftshilfe.
  • Gewerkschaften und Berufsverbände: Rechtsberatung für Mitglieder, wenn der Arbeitgeber blockiert.
  • Rentenversicherung: kostenlose Auskunft dazu, was die Pflegezeit für Ihre spätere Rente bedeutet.

Was tun?

  1. Situation in drei Sätzen aufschreiben. Wen pflegen Sie, seit wann, wie viele Stunden pro Woche, wie ist Ihre Arbeitszeit? Das spart im Beratungsgespräch die Hälfte der Zeit.
  2. Termin buchen. In Berlin bei KOBRA (telefonische Kurzberatung oder Online-Termin), sonst beim Pflegestützpunkt. Beides ist kostenlos.
  3. Unterlagen bereitlegen: Arbeitsvertrag, aktuelle Gehaltsabrechnung, Bescheid über den Pflegegrad (falls vorhanden), Angaben zur Betriebsgröße – sie entscheidet darüber, welche Freistellung Ihnen zusteht.
  4. Ziel festlegen, bevor Sie mit dem Arbeitgeber sprechen. Wunschmodell, Mindestmodell, Zeitraum. Bitten Sie um ein Gespräch unter vier Augen und bestätigen Sie das Ergebnis anschließend per E-Mail.
  5. Fristen einhalten. Pflegezeit 10 Arbeitstage vorher, Familienpflegezeit 8 Wochen vorher – Details unter Pflegezeit und Familienpflegezeit.
  6. Entlastung zu Hause organisieren. Freistellung ist nur ein Baustein. Verhinderungspflege, Tagespflege, Entlastungsbetrag und Nachbarschaftshilfe halten Sie im Beruf. Siehe Leistungen.
  7. An sich selbst denken. Wenn die Belastung dauerhaft zu hoch wird, holen Sie sich früh Unterstützung – siehe Überlastung & Konflikte.

Wo gibt es Hilfe?

  • KOBRA, Fachstelle Vereinbarkeit Beruf, Familie und Pflege (Berlin): kostenlose Beratung für Beschäftigte und Betriebe, Telefon 030 695923-16, Online-Terminbuchung über pflegezeit-berlin.de.
  • Pflegestützpunkte in Berlin und Brandenburg: kostenlos, trägerneutral, auf Wunsch mit Hausbesuch. Adresse in Ihrer Nähe finden.
  • Pflegetelefon des Bundesfamilienministeriums: 030 20179131.
  • Informationsabende und Pflegekurse für berufstätige Angehörige finden Sie unter Veranstaltungen – viele Termine sind abends oder online.

Stand: Juli 2026. Kontaktdaten und Sprechzeiten können sich ändern. Quellen: Steckbrief der Fachstelle im Landespflegeplan Berlin 2025, Angaben von KOBRA Berlin.

  • Stand: 30.07.2026
  • Ihr nächster Schritt: Buchen Sie ein kostenloses Beratungsgespräch – bei KOBRA (Berlin) oder im Pflegestützpunkt Ihres Bezirks bzw. Landkreises. Beratungsstelle finden.